Gestern war Krabbelgruppe. Ich war da bislang immer sehr gerne und habe auch die "Leiterin" bis gestern für sehr kompetent gehalten. Eine andere Krabblermutter sprach nun gestern eines meiner absoluten Lieblingsthemen an ... Sie muss im August wieder arbeiten (Gymnasiallehrerin) und hätte gern ihre Nächte bis dahin etwas erholsamer (wer nicht?) und will ihrem sieben- oder achtmonatigen Sohn nun Schlafen beibringen. Sie hätte da dieses Buch gekauft ("Jedes Kind kann schlafen lernen"). Aber sie hätte nun dieses Problem, dass sie es nicht schaffe, den kleinen Kerl länger als fünf Minuten schreien zu lassen. Ich ignorierte die purpurroten Flecke, die langsam hinter meinen Augen aufstiegen, weil ich allmählich so allergisch auf dieses Thema reagiere. Ich bin wirklich ganz ruhig geblieben und hab ihr erklärt, dass dieses Konzept nicht für Kinder im Alter ihres Sohnes geeignet seien, dass der Autor selbst sich inzwischen von diesem Konzept distanziere, dass dieses Konzept nicht als Lernmethode für Hinz und Kunz sei, sondern eher für Eltern und Kinder in Extremsituationen. Pipapo. Ich habe ihr auch erklärt, dass es für kleine Babies einfach gesünder sei, wenn sie nachts nicht im stundenlangen Tiefschlaf versinken, sondern immer wieder aufwachen und nur leicht schlafen, auch wenn das natürlich für Eltern anstrengender sei.
Dann kriegte ich zu hören, dass ich das nicht verstehen könnte, sie würde ja bald _arbeiten_, da würde sie von ihrem Sohn erwarten, dass er von 19.00 bis 7.00 schliefe. Wenn man _nur Hausfrau_ sei, dann sei das ja etwas ganz anderes. Mit meiner trockenen Antwort, dass ich schon arbeite, seit der Wutz acht Wochen alt ist, konnte sie nicht so viel anfangen. Darum verstieg sie sich dann in das Argument, das Buch sei immerhin ein Bestseller, dann müsste es ja gut sein und das Konzept richtig sein. Ich habe ihr nicht gesagt, dass "Mein Kampf" von einem gewissen Herrn aus Österreich auch ein Bestseller sei. Ich habe ihr versucht zu erklären, dass das wohl daran liege, dass das gewünschte Ergebnis des Buches/Konzeptes, ein durchschlafendes Kind, natürlich etwas sei, was den Eltern zugute käme. Und die kaufen ja das Buch. Den Kindern kommt es wohl nicht so sehr zugute, aber das sind ja auch nicht diejenigen mit der Kaufkraft.
Ich hab ihr dann im gleichen Atemzug noch meine kleine Schlafbibel von William Sears empfohlen. Fast schon hatte ich sie überzeugt, als die Krabbelgruppenleiterin plötzlich in die Situation eingriff. Ja, sie habe dieses Buch auch bei ihren beiden Kindern im Babyalter angewendet. Ja, es sei für sie auch schrecklich gewesen, die kleinen Kinder schreien zu lassen. Aber sie habe dann von der Kinderärztin einen hilfreichen Tipp bekommen. Man müsse das ganz anders sehen. Das sei ja kein Schreienlassen (das klingt ja so negativ). Man bringe mit dieser Methode ja den Kindern bei, selbständig einzuschlafen (das klingt so positiv). Und schon habe man ein ganz tolles Gefühl, wenn die Kinder in ihren Zimmern liegen und schreien. Weil das ist ja gut für die. Sie wissen das bloß noch nicht.
*KOTZ*
Trotz alledem. Trotz der letzten schlaflosen Nacht, die sicherlich nicht die letzte schlaflose Nacht bleiben wird. Ich ferber nicht, ich ferber nicht, ich ferber nicht.
Ich ferber nicht! Punkt :-)

















